Ingeborg Bachmann-Wettbewerb

Heute bereiten wir uns auf den 43. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt vor. Vierzehn Autorinnen und Autoren werden dort ab morgen ihre noch nicht veröffentlichten Texte (in Lesungen von jeweils einer halben Stunde Länge) einer Jury präsentieren. Diese wird sofort nach der Lesung über die Texte urteilen und am Sonntagmorgen einige dieser Autorinnen und Autoren mit Preisen auszeichnen. Übertragen werden die Lesungen live von 3sat (morgen und an den Tagen darauf ab 10 Uhr).

Natürlich sind wir besonders darauf gespannt, wie unsere „Hildesheimer Schreibschule“ bei diesem wichtigen Wettbewerb abschneidet. Vertreten ist sie durch Katharina Schultens und Leander Fischer, die beide in Hildesheim studiert haben.

Unser erster Blick gilt den Präsentationsvideos, die beide (zusammen mit 3sat) als „Porträts“ hergestellt haben. Man findet sie auf der Autorinnen-/Autoren-Seite, wenn man die jeweilige Autorin/den jeweiligen Autor anklickt:

https://bachmannpreis.orf.at/tags/autoren2019/

Was fällt uns auf?

1) Leander Fischer wählt eine klassische Präsentationsform: Der Autor geht spazieren, setzt sich, geht weiter, besucht eine Buchhandlung – und spricht (poetologisch) über sein Schreiben. Das „Porträt“ wird dadurch zu einem Selbstkommentar, der typische Momente des Autorendaseins umkreist: Wie diszipliniere ich mich für das Schreiben? Wie gehe ich mit Vorbildern um? Woher beziehe ich meine Themen und Stoffe?

2) Katharina Schultens porträtiert sich ganz anders: Visuell in Form eines imaginären Gangs durch einen Raum (Entwurf und Zurücknahme). Die Sprache ist nicht die des Kommentars, sondern die eines Gedichts (Katharina Schultens ist Lyrikerin), in dem typische Fragen einer Poetik anklingen und mit anderen Motiven (der Körper/die Lust/die Empfindungen) kontrastiert werden.

Heute Abend wird die Reihenfolge der Lesungen ausgelost. Morgen um 10 Uhr werden wir dann in einem vorgekühlten Raum mit vorgekühlten Getränken vor dem Fernseher sitzen und uns der Sommerhitze entziehen (während einer Lesung ist auch der jeweilige Text abrufbar, aber immer erst dann: https://bachmannpreis.orf.at/tags/texte2019/ ) …

 

Haben Sie Glenn Gould …

… wirklich in Salzburg an der Salzach getroffen? fragte mich der Moderator Martin Hagen von SWR 2 in einem Gespräch über mein neues Buch Wie ich Klavierspielen lernte (Insel-Verlag), das heute in der Sendung Treffpunkt Klassik gesendet wurde:

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/treffpunkt-klassik/musikgespraech-das-neue-buch-von-hanns-josef-ortheil-wie-ich-klavierspielen-lernte/-/id=660614/did=24311080/nid=660614/p9yo3w/index.html

34 Gradi und mehr

Bei 34 Gradi und mehr kündigen wir heute und an den nächsten Tagen die Arbeit, suchen entlegene Waldseen auf und ernähren uns nur noch von gekühlten Getränken und gutem Eis der sommerlichen Geschmacksrichtungen (von links nach rechts: Rhabarber, Cassis und Spargel!) …

Im Wald

(Heute auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S.4)

Alle paar Tage gehe ich in den Wald, der sich direkt an mein Grundstück anschließt. Meist bin ich am frühen Abend etwa eine Stunde unterwegs, immer einen anderen Weg oder Pfad entlang. Lange Zeit hatten diese Waldgänge etwas Harmloses und waren wohltuend ideologiefrei. Mein Wald hatte den Romantikboom früherer Jahrzehnte überstanden, er war weder ein Heiligtum noch das „marschierende deutsche Heer“ von lauter strammen Baumstangen, als den ihn Elias Canetti einmal gedeutet hatte. Selbst vom „Waldsterben“ war nicht mehr laufend die Rede, so dass ich glauben konnte, der Wald sei nicht länger ein überbeanspruchtes Zeichen für alles und nichts.

Seit einiger Zeit hat sich das aber wieder geändert. Die ersten Fremdkörper, mit denen ich zu tun hatte, waren die Downhill-Fahrer, die unvermutet seitwärts Waldschneisen herabbretterten, auf den breiteren Wegen bremsten und sich wie aufheulende, kleine Drachen den nächsten Abhang herunterstürzten. Solche Aktionen trugen dazu bei, mich dem Wald zu entfremden, sie behandelten das Rad wie ein Motorrad, und sie machten aus Wäldern Streckenpisten für Slalomfahrer.

Dann begegnete ich kleineren Gruppen, die sich bei jedem Wetter dem „Waldbaden“ widmeten. Auffallend langsam zogen sie von Baum zu Baum, umkreisten Baumstümpfe, blieben hier und da minutenlang stehen, zeichneten Insekten und Schmetterlinge und stimmten oft sogar eigenartige Lieder an. Manchmal wurde ich eingeladen, sie zu begleiten, mein Gehen erschien ihnen zu anspruchslos und simpel, und eine Gruppenführerin schenkte mir einen Prospekt, der von der Notwendigkeit handelte, Wälder „philosophisch lieben zu lernen“.

Die weitaus größte Zahl der Waldbesucher geht aber nicht mehr, sondern bewegt sich temporeich. Die meisten laufen schweißtreibend und messen ihren Energieverbrauch an jeder Waldkreuzung, sie tragen Laufkleidung, haben Getränke dabei und verzehren bevorzugt Bananen. Manche begegnen mir bei meinen Spaziergängen mehrmals, weil sie zehnmal so lange Strecken zurücklegen wie ich. Sie beachten mich aber nicht, sondern bleiben für sich, über Kopfhörer genießen sie lautstark die Musik des waldfernen Lebens.

Noch halte ich durch und gehe einfach nur spazieren. Ich philosophiere nicht, und ich höre weder Musik noch maskiere ich mich „waldaffin“. Ich will einfach nur „unterwegs“ sein, und am liebsten (ich gebe es zu) wäre ich wie in den alten, stilleren Tagen: allein.

Die Habermas-Zeiten 2 und 3

Kurz nachdem ich 1976 promoviert hatte, erhielt ich am Deutschen Institut der Universität Mainz eine Stelle als wiss. Mitarbeiter. Ich hatte mein Studium erfolgreich abgeschlossen und begriffen, wohin mich die Wissenschaft führen könnte. Forschungen in diesem Metier setzte ich fort, spürte aber zugleich auch den großen Reiz des literarischen Schreibens.

Beide Interessen kamen in der Person meines Doktorvaters zusammen: Bruno Hillebrand (1935-2016) war Lyriker, Prosaautor und Essayist, gleichzeitig aber auch Literaturwissenschaftler (mit starkem Interesse an philosophischen Themen). Ich arbeitete eng mit ihm zusammen und bemerkte mit der Zeit deutlicher, dass unsere Gespräche immer stärker um Bücher der deutschen Gegenwartsliteratur und bald auch um mögliche Themen und Stoffe eigenen Schreibens kreisten. Wir schrieben weiter wissenschaftliche und essayistische Texte, daneben aber auch (mit besonderer Leidenschaft) jeder für sich an einem Roman. Kurioserweise erschienen diese beiden Bücher fast zugleich im Frühjahr 1979: Versiegelte Gärten (von Bruno Hillebrand) und Fermer (von mir).

Genau mit diesem Erscheinen meines ersten Romans erhielt mein gesamtes Denken und Schreiben eine neue Orientierung. Ich studierte zwar noch immer die Habermasschen Themen (und damit die Frage danach, wie die Geisteswissenschaften auf die veränderten Weltbezüge der Gegenwart antworteten), wusste aber auch, dass meine Interessen über diese Themen hinausreichten. „Habermas“ folgte ich, indem ich Essays und Artikel zu den neusten Bewegungen im literarischen Feld schrieb und dieses Feld sondierte – meinen „Sonderinteressen“ aber folgte ich, indem ich zum Beispiel ein Buch über Mozarts Briefe (Mozart – im Innern seiner Sprachen) und wenig später einen zweiten Roman (Hecke) schrieb.

So wurde das Habermassche Strukturieren und Gliedern der wissenschaftlichen Welten für mich zu einem Arbeitskomplex unter vielen, dessen Faszination allmählich schwächer wurde. Mitte der achtziger Jahre flammte dieses Interesse aber noch einmal auf, als ich Der philosophische Diskurs der Moderne las. Damals beschloss ich, einen zweiten, großen Anlauf in Sachen Wissenschaft zu unternehmen und – parallel zu meiner Dissertation, in der ich einen Habermas-Ansatz aufgegriffen und erweitert hatte – eine Studie mit dem Titel Der literarische Diskurs der Moderne zu schreiben.

Sowohl Habermas als auch den eigenen Themen zu folgen – ich hatte mir ein Riesenprogramm vorgenommen. Einerseits erzählte ich in meinem dritten Roman von der Geschichte der Bundesrepublik seit dem Kriegsende (Schwerenöter), andererseits strukturierte ich die Geschichte der literarischen Moderne seit der Spätantike als Fortsetzungsgeschichte einer steten Neubestimmung des Begriffs „modern“.

Beides zugleich war zu viel. 1987 erschien der Roman, am Wissenschaftsprojekt aber schrieb ich hunderte von Seiten so lange weiter, bis sich dieses Interesse erschöpfte. Ich gab auf, mich beschäftigen längst andere Themen. Und welche? Fragen danach, wie die literarische Moderne nicht mehr nur zu denken, sondern, von theoretischen Überlegungen ausgehend, auch in besonderen Praktiken des Schreibens zu gestalten war. Dahin führten Schreibübungen der modernen Poetik, wie sie an einem literaturwissenschaftlichen Institut damaliger universitärer Prägung nicht weiter zu verfolgen waren.

Wollte ich meinem neuen Themenbestand treu bleiben, musste ich mich nach einer anderen Hochschule umsehen. 1989/90 nahm ich eine Stelle für Kreatives Schreiben unter Einbeziehung der modernen deutschen Literaturgeschichte und/oder der modernen Ästhetik (so die Stellenausschreibung, die – wunderbarer Fall – genau jene Motive ansprach, um die mein Denken kreiste: Praktiken der Poetik und Theorie der Moderne) an der Universität Hildesheim an. Es war die Geburtsstunde der Hildesheimer Schreibschule und ihrer späteren neuen Studiengänge, deren Jubiläen wir gerade in Hildesheim gefeiert haben.

In der Festanthologie Institutsprosa. Zwanzig Jahre Schreibschule Hildesheim (hrsg von Dirk Brall, Thomas Klupp, Mariana Leky und Katrin Zimmermann, Universitätsverlag Hildesheim/Georg Olms Verlag 2019) findet man die Fortsetzung und damit den bisherigen Schlussteil all dieser Geschichten: Wie die Hildesheimer Schreibschule auf geheimnisvolle Weise entstand und danach lauter Junggenies fast von selbst zu Geheimnissen wurden – und was das alles mit mir zu tun hat (S. 221-243) sowie Kleine Chronik der Hildesheimer Schreibschule (S. 245-254).

Die Habermas-Zeiten

Vor zwei Tagen ist Jürgen Habermas neunzig Jahre alt geworden. Seither habe ich viele Artikel über ihn und sein Wirken gelesen, ja, ich tauchte regelrecht ein in die zahlreichen Erinnerungen seiner Freunde und Weggefährten, die auch von seinen frühen Lebensstadien berichteten. Warum kam ich nicht davon los? Weil ich selbst ins Erinnern an jene Zeiten verfiel, als ich die Bücher von Jürgen Habermas eins nach dem andern gelesen habe.

Anfang der Siebziger Jahre hatte ich irgendwann ernsthafter zu studieren begonnen, mehrere Fächer auf einmal. Mein zentrales Interesse war aber ein philosophisches, denn ich wollte, naiv gesagt, studieren, wie die großen Philosophen „die Fragen des Lebens“ gestellt und beantwortet hatten.

Geprägt war dieses Interesse durch die langjährige, noch in der Schulzeit begonnene Lektüre der Schriften Walter Benjamins (1892-1940) und Theodor W. Adornos (1903-1969). Walter Benjamin war der „mystische“ und geheimnisvolle philosophierende Literat, Theodor W. Adorno der „kritische“ und scharfzüngige philosophierende Musiker. Aus Benjamins und Adornos Schriften bestand mein „Verständnis von Gegenwart“, sie hatten die Themen, Ideen und Leitfragen formuliert, mit deren Hilfe ich mich an das Studium der großen Vergangenheiten seit der Antike machte.

In diesen frühen Jahren, die ich in Rom, Mainz, Göttingen und Paris verbrachte, gaben Benjamin und Adorno mir zugleich die Rollen vor, die ich im Blick auf meine eigene Zukunft für erstrebenswert hielt. Je länger und ernsthafter ich studierte, umso mehr dachte ich daran, die Universität nicht mehr zu verlassen. Ich wollte promovieren und habilitieren, irgendwann würde ich es vielleicht sogar schaffen, eine Professur zu erhalten und auf diese Weise mein ganzes Leben den großen Fragen von Philosophie, Literatur und Musik zu widmen.

Strukturwandel der Öffentlichkeit war das erste Buch von Jürgen Habermas, das ich damals las. 1962 als Habilitationsschrift erschienen, untersuchte es anhand der Sezierung des Begriffs der „Öffentlichkeit“ Strukturen jener bürgerlichen Gesellschaften, die sich, verstärkt seit dem achtzehnten Jahrhundert, von den Schichten „repräsentativer Öffentlichkeit“ (wie Adel, Kirche, traditionelle Hierarchien) abzusetzen begannen.

Die Frage, die ich mir damals nach der Lektüre dieses Buches stellte, war eine nach dem Anteil, den die „schöne Literatur“ an diesen Bewusstwerdungsprozessen gehabt hatte. Warum war Habermas darauf nicht näher eingegangen? Warum zum Beispiel tauchte der Roman als literarische Gattung dieser bürgerlichen Moderne nicht auf, war er doch in der Spätzeit des achtzehnten Jahrhunderts zur wichtigsten Gattung für deutsche Schriftsteller (wie etwa Goethe, Jean Paul, Friedrich Schlegel, Friedrich Hölderlin, Novalis, Bonaventura, Ludwig Tieck) überhaupt geworden?

Genau diesem Thema widmete ich dann meine eigene Dissertation, die in den Jahren von 1974 bis 1976 entstand. Sie untersuchte Spielformen des deutschen Romans angesichts der Revolution in Frankreich, und sie deutete „den Roman“ als zentrale literarische Antwort auf deren Ereignisse (Der poetische Widerstand im Roman. Athenäum 1980).

Seltsam. Mitte der siebziger Jahre dachte ich – nach dem Scheitern meiner bis dahin lebenslangen Idee, Konzertpianist zu werden – an ein Hochschulleben im Kreis von Schülerinnen und Schülern. Nebenbei schrieb ich Artikel, Kritiken und Rezensionen für Zeitungen und Zeitschriften und ging jede Woche mehrmals ins Kino, um die neusten Filme zu besprechen.

Es gibt nur sehr wenige Fotos aus dieser Zeit. Damals galt das Fotografieren unter uns Lesern als überflüssig. Wir hatten unsere Bilder im Kopf, und wir fanden es peinlich, unser Aussehen fotografisch zu dokumentieren. Wozu sollte das gut sein? Die großen Fragen stellten (noch nicht) die Bilder, sondern die Texte, und der Philosoph Habermas war ein Vorbild für das präzise Fragen, wie man mit den alten Welten umgehen konnte … (Fortsetzung folgt)

Heckenrosen

Aus dichtem Efeumauergrün brechen sie hervor, wild und lässig, ein dichter Schwarmanfall, ausgelassen, lauter solistische Wesen, wie sie in Märchen erscheinen. Passiere ich sie, bleibe ich jedes Mal stehen, ich möchte ihnen zuzwinkern, so nahe bin ich dieser Freude, diesem frischen Atem und einer aufgedrehten Lust, die ich bis in letzte Nuancen spüre, als Moment einer geheimnisvollen Schöpfung, von der die eingeweihten Wesen in dunklen Liedern berichten.

 

Zwanzig Jahre Hildesheim – Das große Fest ist vorbei

Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim feierte gestern und vorgestern sein großes Fest: Zwanzig Jahre Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus (siehe auch meinen Eintrag in diesem Blog vom 3.6.2019). Unüberschaubar viele Ehemalige waren gekommen, diskutierten auf Gesprächs- und Lesebühnen über ihre Bücher, erneuerten alte Freundschaften und tauchten wieder ein in jene Innenprozesse einer „zweiten Erwachsenenwerdung“, die man am Hildesheimer Institut einmal durchlebt hatte. Es war ein sehr entspanntes, gelöstes und intensives Fest, mitten im alten Parkgelände der mittelalterlichen Domäne Marienburg, dem schönsten Universitätscampus deutscher Universitäten.

In einem Gespräch mit Claudia Christophersen von NDR Kultur habe ich noch einmal auf einige jener Fragen geantwortet, die im Blick auf die Arbeit am Hildesheimer Institut oft gestellt werden:

https://www.ndr.de/kultur/Hanns-Josef-Ortheil-ueber-das-literarische-Schreiben,journal1820.html

 

Zwanzig Jahre Hildesheim – Interview (Ausschnitt)

Tja, Herr Ortheil, warum Hildesheim? Warum Studiengänge des Kreativen und Literarischen Schreibens gerade dort? In einer mittelgroßen Stadt mit ihren schmalen Gässchen und Häuschen? Warum nicht Berlin oder Hamburg oder München? Warum nicht Städte mit einer gewissen Weite? Mit großzügigen räumlichen Perspektiven?

O: Ah, Sie kennen Hildesheim? Sie kennen es gut?

Das nicht, nein, nicht direkt …, aber man hat ja eine Ahnung …, die hat man …

O: Was Sie nicht sagen …

 

Skizzieren – entwerfen – planen

K hat jahrelang an seiner Dissertation gearbeitet. Sie beschäftigt sich mit der Ästhetik des Romanentwurfs – und daher mit jenen Skizzen, Zeichnungen und Plänen, mit denen manche Romanautorinnen und Romanautoren ihre Arbeit an einem Buch begleiten.

Solche Entwürfe haben zunächst die Aufgabe, Klarheit über bestimmte Räume zu gewinnen, die in einem Roman eine Rolle spielen. Wohnungen mit ihren verschieden eingerichteten Zimmern, Hausbauten, Umgebungen von Häusern, Straßen, Stadtviertel – die Skizzen gehen oft bis ins kleinste Detail, auch wenn dann später nicht alle dieser Details im Roman erscheinen. Sie heizen das Fantasieren an und locken Figuren herbei, sie initiieren Handlungsmomente und Stimmungen.

Zweitens besteht der Gewinn solcher Entwürfe aber auch darin, die Übersicht zu behalten. Romanarbeit dauert oft Jahre, da vergisst man als Autorin oder Autor nicht selten, wie man bestimmte Räume oder Szenen mit Hilfe bestimmter Utensilien komponiert hat.

Drittens sind Romanentwürfe aber auch häufig ästhetische Gebilde eigener Art. Dann sind sie mehr als bloße Hilfsmittel und tendieren zum autarken Bild: zur Zeichnung oder gar zum Gemälde.

K wird heute, am 13. Juni 2019, sein Rigorosum (die mündliche Prüfung zur Erlangung des Doktorgrades) ablegen. Seine Dissertation ist glänzend benotet worden, sie ist so etwas wie ein Meilenstein in der Erforschung von Romanentwürfen.

Bis sie erscheint, kann man sich hier schon einmal informieren – Architektur wie sie im Buche steht. Hrsg. von Winfried Nerdinger. Verlag Anton Pustet 2006 – Vor allem: S. 146-159 und S. 340-409