Rom meldet sich

Auch die Deutsche Botschaft in Rom hat meine Italienischen Momente (btb) zur Kenntnis genommen und meine Grüße an die italienischen Freundinnen und Freunde auf Facebook veröffentlicht –

https://www.facebook.com/177219275668614/posts/3691787620878411?d=n&sfns=mo

Das Live-Gespräch mit meinem Lektor Klaus Siblewski über dieses Buch, das sehr viele Leserinen und Leser gesehen haben, kann man hier noch einmal in Ruhe anschauen:

https://www.litlounge.tv/

Grund genug, einmal etwas pathetisch und erinnerungsselig zu werden, in Erinnerung an

I migliori anni della nostra vita:

 

 

Die nächste Lesung – als Videogesamtkunstwerk zum zweiten Advent

Nach meiner Lesung und dem Gespräch mit meinem Lektor Klaus Siblewski über die Italienischen Momente (btb) wird es als nächstes eine Video-Präsentation meines neuen Buches In meinen Gärten und Wäldern (DVB Mainz) geben.

Zusammen mit den Technikern des Kulturwerks in Wissen/Sieg arbeite ich daran, meine Fünfte Abendmusik (eigentlich als Präsenzveranstaltung geplant) multimedial zu gestalten: Sie sehen 1) meine Fotografien, erleben 2) meine Lesung aus dem neuen Buch und können 3) die von mir ausgewählte Musik hören: Bild, Lesung und Ton – als Gesamtkunstwerk!

In dem neuen (besonders schön gestalteten) Buch habe ich viele Pflanzen, Sträucher und Bäume porträtiert, die in meinen Stuttgarter und Westerwälder Gärten und Wäldern zu finden sind. Meine Aufzeichnungen folgen dem Kreislauf eines Jahres, beginnend mit winterlich kargen Flächen und endend mit den Abschiedsmotiven des Herbstes. Ergänzend dazu werden Blumen-, Garten- und Waldmusiken von Mozart, Schumann, Schubert, Ravel und anderen Komponisten eingespielt und erläutert.

Da eine solche Präsentation (anders als ein Livestream) viel Arbeit macht und Zeit braucht, kann sie leider nicht gratis ins Netz gestellt werden. Sie benötigen, um das Ganze (ab Sonntag, 6. Dezember, 18 Uhr) sehen zu können, ein Online-Ticket.

Diese Tickets sind zum Preis von 12 Euro ab sofort in allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie über den Ticketshop der Seite kulturwerkwissen.de erhältlich. Wer bereits eine Eintrittskarte für die Fünfte Abendmusik gekauft hat, kann auf Wunsch in ein Online-Ticket umtauschen, andernfalls erstattet der Veranstalter (buchladen Wissen, Tel. 02742-1874, buchladenwissen@web.de) den Eintrittspreis.

Ich freue mich auf diese ganz besondere Veranstaltung zum Zweiten Advent, die eigens für meine Leserinnen und Leser „rund um den Globus“ (sage ich mal pathetisch) organisiert und aufgezeichnet wird.

Wie lebt es sich in Quarantäne?

(Gestern auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S.4)

Giulio (25 Jahre) ist der Sohn von Bella und Enzo, mit denen ich seit vielen Jahren befreundet bin. Sie besitzen ein italienisches Restaurant in Köln, Giulio soll es einmal übernehmen und war deshalb zur Ausbildung einige Monate in Italien. Dass auch dieses Land zum Risikogebiet erklärt würde, hat er nicht erwartet, die Nachricht ereilte ihn dort. Jetzt ist er wieder zu Hause und muss in Quarantäne.

Wie aber geht das? Und was gibt es zu beachten? Da die ganze Familie nicht richtig Bescheid wusste, hat man sich bei der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ informiert. Die Quarantäne, hieß es, sei eine „zeitlich befristete Absonderung“. Um jede mögliche Gefährdung anderer auszuschließen, hat sich Giulio in Isolierung begeben. Das bedeutet ein Leben im Einzelzimmer, keine gemeinsamen Mahlzeiten, keine gemeinsame Verwendung von Haushaltsgegenständen, regelmäßiges Säubern von Oberflächen mit Desinfektionsmitteln, häufiges Lüften aller Räume und Tragen von Mund-Nasenschutz, wenn Begegnungen mit den Eltern unvermeidlich sind. Kontakte zu anderen Personen sind ausgeschlossen.

Was aber macht man in Quarantäne? Giulio möchte nicht skypen und sich mit Freunden unterhalten. Sieht er, wie sie sich frei bewegen, tut ihm das gar nicht gut, sondern stimmt traurig. Filme sehen hat dieselbe Wirkung. Actionfilme gehen gar nicht, und Liebesfilme sind ein Gräuel. Er ist allein, Action und Zweisamkeit sind nicht möglich, und dass ihm Filme jetzt etwas vorgaukeln, wäre das Letzte. „Hast Du was zu lesen, das passt?“ fragte er mich.

Ich habe ihm den Debütroman Hikikomori von Kevin Kuhn empfohlen. Er erzählt von einem Jungen, der sich mit einem Computer in seinem Zimmer einschließt und dort eine eigene Welt kreiert. Der Titel ist japanisch und meint ein Verhalten von Personen, die sich von der Umwelt absondern und so wenig Kontakte wie möglich aufnehmen. In Japan sollen über eine Million Menschen so leben und zwar keineswegs nur jüngere, sondern vor allem ältere ab vierzig Jahren.

Ein Onkel hat Giulio dagegen ein Buch über das Leben des heiligen Antonius geschenkt. Von dem hatte er bisher nur wenig gehört. Stark beeindruckt hat ihn die extreme Einsamkeit, auf die Antonius sich eingelassen hatte. Mönchtum, Wüste, Leere, keine anderen Menschen – wie hält man das aus?

Nach diesen Lektüren betrachtet Giulio die Isolierung als eine Art Experiment und macht sich über alles Gedanken. Tagsüber schlafen? Nachtaktiv leben? Konsequente Askese mit entsprechend frugaler Ernährung? Gymnastik oder ein anderes Training? Klavierspielen? Tagebuch führen? Zuletzt schickte er mir eine Mail: „Ich könnte mich nach fünf Tagen testen lassen und käme bei negativem Ergebnis frei. Ich denke aber nicht dran, sondern bleibe mindestens vierzehn Tage in Quarantäne.“

Ich habe Giulio eine Postkarte mit dem Bild der Versuchung des heiligen Antonius von Hieronymus Bosch geschickt. Damit er ahnt und darauf vorbereitet ist, was ihn erwartet.

Heute Abend im Livestream

Zur Erinnerung:

Heute Abend unterhalte ich mich ab 19 Uhr im Livestream von Random House mit meinem Lektor Klaus Siblewski über Corona, Italien, Hemingway, Gott und die Welt – und lese drei kurze Passagen aus Italienische Momente (btb)!!

Sie sind herzlich dazu eingeladen:

https://www.litlounge.tv/

 

 

 

 

 

 

Eine kleine Nachtmusik 1

Heute beginne ich mit Nummern einer von mir ausgewählten Kleinen Nachtmusik, die man vor dem Schlafengehen hören und mit deren Hilfe man den Tag „ausklingen“ lassen könnte: Um sich von allem anderen abzulenken und den Weg in die Traumlandschaften zu finden. Ich mache das selbst bereits seit langem an manchen Abenden, und die Wirkung ist enorm. Vielleicht finden auch die Leserinnen und Leser dieses Blogs auf diese Weise leicht und inspiriert in den Schlaf: um die Traumsphären zu beleben.

Zu den Musikbeispielen schreibe ich kurze Texte, in denen ich die jeweilige Musik nicht erkläre oder deute, sondern den historischen Raum imaginiere, in dem sie entstanden ist. Zuhörend könnte man daher zugleich auch sehen – mit geschlossenen Augen.

Kleine Nachtmusik 1: Robert de Visée (ca. 1660-1732)

Ein Herbsttag in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts. Robert de Visée geht durch die Gärten von Versailles, deren Anlage Ludwig XIV. mit großem Interesse und eigenen Ideen begleitet. Manière de montrer les jardins de Versailles heißt seine Schrift, mit deren Hilfe er den Besuchern den kunstgerechten Besuch der Gärten erschliessen will.

Vieles wird in diesen Tagen von Grund auf durchdacht und strengen Regeln unterworfen. De Visée ist vor allem für die Musik am Hof zuständig, er ist Lautenist, Sänger und Komponist, und er spielt dem König fast täglich vor, um dazu beizutragen, die Gedanken zu ordnen und sich nicht zu übereilen, sondern angemessen Schritt für Schritt zu tun. Durch die Gärten, das Schloss und nicht zuletzt auf den weiten Wegen, die den Hof und damit das ganze Land betreffen.

Robert de Visée begleitet dieses Leben und lauscht seinem Spiel nach. Er hält den Kopf etwas schräg und beobachtet die Finger, wie sie die Saiten der Laute streifen und zum Klingen bringen. Sie gehen spazieren, so wie er selbst, Robert de Visée, der seinen Lebensraum als noch junger Mann in der Nähe des Königs gefunden hat und ihn mit seinem Spiel bis an sein Lebensende begleiten wird. Erhobenen Hauptes, stolz, auf so wertvolle und niemals prunksüchtige, sondern eher bescheidene Weise zum Wohlbefinden des Monarchen beizutragen.

Die Stücke für Laute oder Théorbe sind selten länger als einige Minuten. Sie bleiben im Hintergrund und wirken wie Episoden, die einen kurzen Stimmungsmoment erschließen – als einen Blick auf diese oder jene Pflanze oder eine andere Gartenminiatur. Der musikalische Raum, den sie eröffnen, erscheint wie eine kurze Umrundung solcher Details, nach der man sich wieder entfernt, um sich weiteren Gartenapotheosen zu widmen, geleitet von einer zugänglichen, jede Raffinesse kunstvoll verbergenden Musik – Gymnopedien bei Hofe.

Robert de Visée: Pièces pour Théorbe & Guitare, gespielt von Xavier Díaz-Latorre (CD oder Streaming, 1 Stunde und 10 Minuten)

Oder (Zur Probe…):

Ortheil liest!

Nun steht es fest! Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medien- und Presseabteilungen meiner Verlage Randomhouse/Luchterhand/btb haben sich alle Mühe gegeben!

Am kommenden Mittwoch, 25.11.2020, werde ich um 19 Uhr in einem Livestream zusammen mit meinem Lektor Klaus Siblewski zu sehen sein! Viele Buchhandlungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen die Lesung auch auf ihrer Website!

Ich habe keinerlei Erfahrung mit solchen digitalen Lesungen und bin daher sehr gespannt, wie ich sie erlebe. (Davon später einmal…)

Klaus Siblewski und ich – wir werden uns unterhalten: Über die Corona-Pandemie (und wie ich sie ertrage), über Beethoven (und warum ich momentan fast alles von ihm höre) – und natürlich über Italien (das ich seit nun genau fünfzig Jahren bereise).

Ich werde kurze Ausschnitte aus meinen Italienischen Momenten (btb) lesen und sie kommentieren, und ich werde die Taschenbuchausgabe meines Hemingway-Romans (btb) vorstellen.

Unter diesem Link ist die Lesung am Mittwoch ab 19 Uhr zu verfolgen:

https://www.litlounge.tv/

Traumsphären (in Coronazeiten) 3 – Venedig

Ich hatte vor, in den ersten Dezembertagen (so wie ich es oft gemacht habe) nach Venedig zu reisen. Ob das möglich ist, weiss ich momentan nicht. Meine venezianischen Freunde schicken mir jedoch laufend lockende Fotos und Nachrichten, die sich längst in meine Träume geschlichen haben und von meinen eigenen Traumfantasien weitererzählt werden.

Als wäre ich bereits in Venedig, sehe ich mich gegenüber der Kirche San Trovaso im Sestiere Dorsoduro von einer schmalen Brücke herunter zur Weinhandlung (zum Bàcaro) von Alessandra de Respinis kommen. Es ist der älteste noch vorhandene Bàcaro Venedigs, und Alessandra de Respinis ist die Erfinderin jener Cicchetti, die inzwischen an jeder Ecke angeboten werden.

Die Verbindung von Bàcaro, Wein und Cicchetti hat sie selbst in den ersten Sätzen ihres Cicchettario skizziert, in dem sie ihre Rezepte preisgegeben und der Öffentlichkeit mitgeteilt hat: „Ein cicchetto ist ein schneller, appetitanregender Happen, der im Stehen gegessen wird. Eine ombra ist ein Glas Weiß- oder Rotwein, das man zur Stunde des Aperitifs zu sich nimmt, um sich von der Mittagshitze zu erholen. Ein bàcaro ist ein Lokal, wo man einen cicchetto probiert, eine ombra trinkt und ein Schwätzchen mit Freunden hält…“ (Alessandra de Respinis: Cicchettario. Die legendären Rezepte des Al Bottegon in Venedig. Übersetzt von Lotta Ortheil, S.7)

Es ist früher Abend, die Tür von Alessandras Bàcaro ist einladend geöffnet, ich höre das Sich-Wiegen des Wassers im schmalen Canal vor der Tür, sonst ist es still.

Ich nehme die Treppenstufen auf die Tür zu, und ich höre beim Eintreten eine leise Musik. Es ist eindeutig Lautenmusik, aber ich erkenne sie nicht.

Ich stelle mich an die Theke, und einer der Söhne Alessandras schenkt mir ein Glas sein. Ich frage ihn, was für eine Musik wir hören, und er antwortet nur: „Salute, dottore…“

 

Ortheil soll lesen

(Mein letzter Blogeintrag hat auch in meinem Verlag (Randomhouse/ Luchterhand) zu vielen Gesprächen geführt. Aus gut unterrichteten Kreisen haben wir von einigen auf Umwegen erfahren. Hier ein Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen der Cheflektorin für Interkulturelle Kommunikation (CIK) und einer Angestellten aus der Abteilung Mediale Präferenzen und Auftritte (APA)…)

 CIK: Haben Sie Ortheils letzten Blog gelesen? Er sehnt sich nach Lesungen. Es hat mir das Herz zugeschnürt…

APA: Ja, ich habs auch gelesen. Ich wäre bereit, ihn durch ganz Deutschland zu begleiten, aber das bringt jetzt ja nichts.

CIK: Ich dachte an einen Medienauftritt…

APA: Eine Videostreamlesung? Ich weiß, dass er so etwas nicht besonders mag.

CIK: Wer mag so etwas schon?! Es wäre aber eine vorläufige Lösung und würde seine Sehnsucht vielleicht mildern.

APA: Soll ich ihn vorsichtig darauf ansprechen?!

CIK: Darum wollte ich Sie bitten. Eine Lesung aus den Italienischen Momenten, zu der wir seinen Lektor zuschalten.

APA: Okay, ich könnte mal nachfühlen…

CIK: Ja, meine Liebe, aber bitte vorsichtig, gaaanzzz vorsichtig…

APA: Wann könnte das stattfinden?

CIK: Sobald wie möglich. Kommende Woche. Mit freiem Zugang für alle Leserinnen und Leser.

APA: Puuuhhh, bekommen wir das so schnell hin?! Ich werde es versuchen, wir geben unser Bestes.

CIK: Danke, ich bin sehr erleichtert…

Die Sehnsucht nach Lesungen

Früher hatte ich nach Erscheinen eines neuen Buches viele Lesungen, manchmal über vierzig in einem Jahr. Das Reisen hat mir fast immer Freude gemacht, zumal es nicht nur mit den Lesungsauftritten verbunden war, sondern mich auf Wegen durch ganz Deutschland viel Neues entdecken ließ.

Meist bin ich in einer Stadt schon einen Tag vor einer Lesung angekommen, so dass ich Zeit für ein kleines Stadtprogramm eigener Wahl hatte: Eine Ausstellung, ein Konzert, eine Theateraufführung oder auch ein Abendessen (meist in Gesellschaft einer zweiten Person aus dem jeweiligen Ort). Immerhin zweieinhalb Tage war ich in einer Stadt unterwegs, und ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, in dem ich nicht überraschende Entdeckungen gemacht und sie, na klar, notiert habe.

In diesen Tagen wäre ich nun mit meinem neuen Buch In meinen Gärten und Wäldern unterwegs. Ich würde Fotos meiner Garten- und Wälderaufnahmen zeigen, meine Texte lesen und dazu passende Musik einspielen – es wäre bestimmt ein wunderbarer Abend geworden… – in (von Norden aus) Husum, Hamburg, Lübeck, Schwerin, Rostock, Bremen, Oldenburg,  etcetc.

Was bleibet? – Die inzwischen stark gewachsene Sehnsucht nach Lesungen (und den Städten der Auftritte)…

Neulich habe ich sogar davon geträumt. Eine Veranstalterin führte mich in einen großen, überfüllten Saal, auf der Bühne stand ein geöffneter Flügel, und sie fragte allen Ernstes: „Spielen Sie zu Beginn Klavier oder singen Sie lieber zuerst?“