Lesereise

Während einer Lesereise empfiehlt sich einfache, schlichte, gesunde Ernährung (Foto 1). Als mich die freundlichen Buchhändlerinnen im Oberhessischen jedoch leicht abgemagert sehen, geben sie mir gute oberhessische „Ahle Wurst“ (Foto 2) mit auf Reisen.

 

Nach der Lesung 2

Und es gibt kaum einen besseren Moment nach einer Lesung als den, in dem man sich endlich wieder nach Hause gerettet hat – und die ganze weitere Nacht durch die heimatliche Stadt streifen wird – alles wieder vergessend.

In den heimischen Wäldern

In den heimischen Wäldern schießen die tief stehenden beißenden Sonnen in das noch vorhandene Grün und präparieren es für den bunten Herbst. Noch ist davon kaum etwas zu sehen, nicht einmal eine Andeutung. Das Grün schleppt sich hin, erträgt den dann und wann aufbrausenden, lästigen Regen, tropft sich aus und schwingt sich mit einem letzten Aufbäumen empor. Es ist ein einziges Warten auf einen starken Vollherbst, nachdem der kostbare Spätsommer sinnlos verspielt wurde.

Tankstellen des Südens

Auf den Landstraßen des tiefen Südens begegnet man in regelmäßigen Abständen kleinen Tankstellen, an denen man den jungen Wein in mitgebrachte Behälter oder Gefäße zapfen kann. Er wird vor allem abends zur cena getrunken und steht dann in Karaffen auf dem Tisch.

Pranzo im Herbst

Am Sonntagmittag treffen sich die Fischer und Jäger zum festlichen pranzo in einem abgelegenen Landhaus. Die Speisen illuminieren den Herbst. So die goldgelben girasole, die mit zerhackten, frisch geernteten Nüssen gefüllt sind und in Butter mit Salbei gebadet wurden. Während der stundenlangen Mahlzeit wird auf Latein aus Vergils Landleben rezitiert, und alle tun so, als verstünden sie jedes Wort.

Lektüreliste Spätsommer

Lektürelisten aktueller Titel kartographieren einen beträchtlichen Raum des Nachdenkens in einer bestimmten Zeitphase… (Roman, Erzählung, Poetik, Essay, Philosophie, Wissenschaft): Interessant ist die Mischung, das Kompositum – und wie jeder einzelne Titel sich ausnimmt als Teil einer großen Mahlzeit… – und damit eines Menus mit vielen Gängen.

Agamben, Giorgio: Die Erzählung und das Feuer. Frankfurt/Main 2017

Bourdieu, Pierre: Sprache. Aus dem Französischen von Hella Beister. Berlin 2017

Davis, Lydia: Reise über die stille Seite. Stories. Aus dem Amerikanischen und mit einem Nachwort von Klaus Hoffer. Frankfurt/Main 2016

Kennedy, A.L.: Schreiben. Blogs & Essays. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. München 2016

Krastev, Ivan: Europadämmerung. Ein Essay. Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Berlin 2017

Leky, Mariana: Was man von hier aus sehen kann. Roman. Köln 2017

Lepenies, Wolf: Die Macht am Mittelmeer. Französische Träume von einem anderen Europa. München 2016

Mora, Terezia: Die Liebe unter Aliens. Erzählungen. München 2016

Schreiber, Daniel: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen. München 2017

Scott, A.O.: Kritik üben. Die Kunst des feinen Urteils. Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer. München 2017

Smith, Ali: Wem erzähle ich das? Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. München 2017

Sulzer, Alain Claude: Die Jugend ist ein fremdes Land. Köln 2017

Das Parisbuch

Nun ist auch mein Parisbuch (Paris, links der Seine) erschienen. Ein Redakteur hat dazu mit mir ein Interview geführt, das in der nächsten Nummer des Frankreich Magazins (Nr. 4/2017) erscheinen wird. Hier schon einmal zwei Fragen und die Antworten: 1) Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem neuen Buch? – Mein Buch ist eine Grand Tour durch das sechste und fünfte Arrondissement von Paris, also durch Saint-Germain-des-Prés und das Quartier Latin. Hier kenne ich fast jedes Haus und viele Bewohner seit Jahrzehnten. Ich wollte das alte Herz von Paris möglichst detailreich porträtieren, es ist eine Liebeserklärung an einen Raum, in dem ich mich zu Hause fühle. 2) Und welche Rolle spielt die Stadt bzw. die französische Literatur in ihrem literarischen Schaffen? – Meine Familie hat französische Wurzeln, so dass meine Eltern noch oft zusammen Französisch gesprochen haben. Ich selbst habe die französische Literatur früh kennengelernt und immer besonders geliebt. Insgeheim glaube ich manchmal, dass ich auf Deutsch so schreibe, als handelte es sich um einen französischen Text in deutscher Übersetzung. Wenigstens halbwegs empfinde ich mich als französischen Schriftsteller.

Fermers Wanderungen – Traumbild

In seinen Träumen erscheinen jetzt herbstliche Bilder des Südens wie dieses, das in ihm sofort die Sehnsucht weckt, den Linien darauf zu folgen und sich von den Netzen der Landschaft einfangen zu lassen. Dazu die dumpfen Schüsse der Jäger, die auf Kaninchenjagd gehen, das ängstliche Schrillen sehr kleiner Vögel und das heisere Bellen der Hunde.