In tiefer Nacht

Sitze nach einer Lesung in tiefer Nacht allein in einem Bielefelder Hotelzimmer, wie es scheußlicher nicht sein könnte. Und denke, vor mich hin starrend, laufend dasselbe in kleinen Variationen: dass mein ganzes Schreiben auf familiäre Räume fixiert ist. Auf die meiner Großeltern, die meiner Eltern, die meiner eigenen Familie. Dass ich jede winzige Bewegung und Verschiebung in diesen Räumen wie ein Erdbeben empfinde. Dass ich nur mit unendlichen Mühen in die extrafamiliären Räume gelange und mich dort gleich eine starke Panik befällt. Dass ich mich aus ihnen zurückziehe und sofort den nächstbesten Zug besteige, um wieder vor der eigenen Wohnungstür anzukommen. Dass ich ins Haus schlüpfe und sofort eine Kerze entzünde, zum Dank, dass ich wieder einigermaßen unversehrt zurückgefunden habe.

Der (noch) leere Saal

In etwa einer Stunde wird dieser Saal bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Du wirst hinter dem schlichten Tisch auf dem schwarzen Klavierhocker sitzen und versuchen, den Raum zum Klingen zu bringen. Nach weniger als einer Minute wirst Du wissen, ob es gelingt…

Taxifahren in Hildesheim

Fahre ich in Hildesheim mit dem Taxi vom Universitätscampus der außerhalb gelegenen Domäne Marienburg zum Hauptbahnhof, erzählen mir die männlichen Taxifahrer in mittlerem Alter fast immer von der Ausbildung ihrer Töchter und Söhne. Sie fragen mich, ob ich die Ausbildungsstätten für okay halte (Informatik in Braunschweig – ist das okay?), oder sie erkundigen sich nach einem Buch, das sie ihren Kindern schenken könnten (etwas „Lehrreiches“, etwas, das „die Welt erklärt“). Taxifahrerinnen erzählen fast nie von ihren Kindern, sondern von besonderen Vorlieben. Wo sie einkaufen, wohin sie gerne einmal verreisen möchten, was sie am Abend noch vorhaben. Von ihnen verabschiede ich mich meist gut gelaunt, von den Taxifahrern in mittlerem Alter jedoch eher so, als gäbe es vielerlei Gründe zu schwerwiegenden Sorgen.

Taxifahren in Hildesheim

Fahre ich in Hildesheim mit dem Taxi vom Universitätscampus der außerhalb gelegenen Domäne Marienburg zum Hauptbahnhof, erzählen mir die männlichen Taxifahrer in mittlerem Alter fast immer von der Ausbildung ihrer Töchter und Söhne. Sie fragen mich, ob ich die Ausbildungsstätten für okay halte (Informatik in Braunschweig – ist das okay?), oder sie erkundigen sich nach einem Buch, das sie ihren Kindern schenken könnten (etwas „Lehrreiches“, etwas, das „die Welt erklärt“). Taxifahrerinnen erzählen fast nie von ihren Kindern, sondern von besonderen Vorlieben. Wo sie einkaufen, wohin sie gerne einmal verreisen möchten, was sie am Abend noch vorhaben. Von ihnen verabschiede ich mich meist gut gelaunt, von den Taxifahrern in mittlerem Alter jedoch eher so, als gäbe es vielerlei Gründe zu schwerwiegenden Sorgen.

Der japanische Taschenkalender

Ich liebe kleine Kalender, die ich mit mir herumtragen und während des Jahres (auf ihr Jahresthema bezogen) vollschreiben kann. Diesmal ist der „Japanische Taschenkalender für das Jahr 2017“ mein Lieblingskalender. Jetzt, Mitte April, bietet er Texte zur Kirschblütenzeit, darunter die Verse des Dichters Ôshima Ryôta:

So ist diese Welt:

Drei Tage mal nicht hingeschaut –

o, diese Kirschblüten!

Sommersemester an der Universität Hildesheim

Im Sommersemester 2017 halte ich Seminare für die Masterstudierenden des Studiengangs Literarisches Schreiben und Lektorieren an der Universität Hildesheim. Themen sind: Asketisches Schreiben (Geschichte, Theorie, Praxis) und Mit dem Schreiben anfangen (Geschichte, Theorie, Praxis). Daneben kümmere ich mich um die Weiterentwicklung der Edition Pächterhaus. Sie ist die Schriftenreihe des Instituts für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft. Die Studierenden veröffentlichen in dieser Reihe ihre eigenen Texte. Sie lektorieren, sie konzipieren Bücher, sie arbeiten in einem kleinen Verlag, in dem sie Erfahrungen für eine Arbeit in größeren Verlagen sammeln können.