Aufbruch in den Mai 9 – Wandern bei Nacht

Der britische Schriftsteller John Lewis-Strempel hat Bücher wie Ein Stück Land, Mein Jahr als Jäger und Sammler oder auch Im Wald geschrieben. Für sein Nature Writing hat er mehrere Preise erhalten.

Auf Deutsch ist zuletzt Wandern bei Nacht (Dumont) erschienen. Es enthält vier typische oder klassische Wanderungen, den vier Jahreszeiten entsprechend.

Wir sollten ihm jetzt, da es lange hell ist, bis in die allmählich einbrechenden Dunkelheiten folgen und das Lukubrieren einmal unterbrechen (Lukubrieren, wird uns erklärt, ist Arbeiten bei Lampenschein).

Stattdessen sollten wir uns auf das Nachthimmelsleuchten, also das schwache natürliche Leuchten der Erdatmosphäre, konzentrieren und unsere vielleicht vorhandene Nyktohylophobie (die Angst vor dunklen oder nächtlichen Wäldern) ignorieren.

Gelingt uns das, wartet jenes zweite oder neue Leben auf uns, das in schönen poetischen Formen von Musik und Literatur oft beschworen wurde.

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich viele erhellende Nachtgänge am Wochenende und danach.

Aufbruch in den Mai 8 – Zum August Sander-Weg

Mein Buch Kunstmomente (btb-Verlag) hat man eine visuelle Autobiografie genannt. Sie erzählt davon, wie ich sehen lernte und den Künsten begegnete. Ein Kapitel widmet sich dem Werk des Westerwälder Fotografen August Sander.

Der brodverein e.V. projektiert nun einen August Sander-Weg von Kuchhausen, dem letzten Wirkungsort Sanders, zum Haus für August Sander in der Skulpturenlandschaft ›im Tal‹.

Aus diesem Anlass lese ich am Freitag, den 31. Mai 2024, aus meinem 2023 erschienenen Buch.

Ein Besuch im Haus für August Sander mit anschließendem Spaziergang über einen Abschnitt des Sander-Weges nach Weyerbusch geht der Lesung um 15 Uhr voraus und stimmt auf sie ein. Treffpunkt ist das Haus für die Kunst (großes Betongebäude), Schulstraße 18, 57635 Hasselbach.

Die Lesung findet im Anschluss um 17:30 Uhr im Gasthof zur Post in der Kölner Straße 8, 57635 Weyerbusch, statt und kostet 10 Euro. Sie kommen der Arbeit des brodvereins zugute und sollen an der Abendkasse entrichtet werden. Zuhörer unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

Anmeldungen, zum Spaziergang wie auch zur Lesung, bitte per Mail an post@im-tal.de oder unter 017670873248.

Aufbruch in den Mai 7 – und in die Emilia Romagna

Auf 3sat lief in den letzten Tagen immer wieder mal die Doku 50 Gründe, die Emilia Romagna zu lieben.

Macht Freude, das zu sehen! Und macht nachdenklich: Warum tief in den Süden Italiens fahren? Warum nicht einmal in den Norden, in so schöne, alte Städte wie Ferrara, Ravenna, Parma oder Bologna? Und warum nicht mehrere Tage in diesen Städten bleiben und sie genauer kennenlernen? Und warum nicht…tja, der Sommer naht, die Doku könnte Lust auf ein solches Kennenlernen machen.

Schicken Sie mir bitte ein Foto, wenn Sie die Region bereist und ein charakteristisches städtisches Detail entdeckt haben.

https://www.3sat.de/suche?q=50+Gr%C3%BCnde%2C+die+Emilia-Romagna+zu+lieben&synth=true&attrs=

Beethovens Neunte ist zweihundert Jahre alt

Vor zweihundert Jahren wurde Ludwig van Beethovens (1770-1827) Neunte Symphonie in C-Moll op. 125 zum ersten Mal im Wiener Theater am Kärtnertor uraufgeführt.

Der kanadische Filmregisseur Larry Weinstein, der bereits viele gute Filme über Musik gedreht hat, nahm das Ereignis zum Ausgangspunkt einer Dokumentation, in der er Beethovens Werk mit Ereignissen und Menschen unserer Zeit konfrontiert.

Der sehenswerte Film (Beethovens Neun – Ode an die Menschlichkeit) ist auf der ARTE-Mediathek abrufbar.

Verbunden mit Film und Musik wünsche ich allen Leserinnen und Lesern des Blogs ein intensives Pfingstfest!

https://www.arte.tv/de/videos/114231-000-A/beethovens-neun-ode-an-die-menschlichkeit/

Immanuel Kant lesen und verstehen

 

Im Jahr des 300. Geburtstages von Immanuel Kant (1724-1804) ist im Verlag C.H.Beck eine ausgezeichnete Kant-Darstellung des Kantforschers Marcus Willaschek erschienen.

Als Einführung in die Lektüre dieses Buches eignet sich ein Gespräch, das Wolfram Ellenberger mit dem Autor in der Sternstunde der Philosophie auf 3sat geführt hat.

Aufbruch in den Mai 6

Der Aufbruch in den Mai führt diesmal zu den weißen Tellerrändern der Gartengaststätte Mailand, in der frühabends ausschließlich frische, regionale Speisen in puristischer Zeichensprache zu Weißweinen aus Baden und Rheinhessen serviert werden.

Wir erkennen mehrere Nuancen Maigelb: die legere, abgeklärte der Frühlingskartoffeln, die angespannte der Spargelstangen, kulminierend in der verdichteten der Spargelspitzen, die versteckte der Eiersegmente, im Zwiegespräch mit Goethes grüner Sauce.

Die Phalanx der korpulenten Spargelleiber lehnt sich in Reih und Glied gegen die massiven Bollwerke der Kartoffelkorpora, flankiert von den grün-weißen Kräuterhügeln.

Bon appétit! Buon appetito! Guten Appetit!

Wie geht es dem Momentum?

(Am 16.5.2024 auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S. 4)

Dieses Jahr ist auf dem besten Weg, ein ereignisstarkes Fußballjahr zu werden. Die deutschen Vereinsmannschaften beeindrucken in den europäischen Wettbewerben, und die Nationalmannschaft könnte es ihnen während der Europameisterschaft nachtun. Vieles hat sich, wie man so sagt, „zum Besseren gewendet“. Immerhin. Vieles ist aber auch stehengeblieben und ärgert.

Wie etwa die Live-Übertragungen im Fernsehen, denen eine lebendige, originelle Sprache fast abhandengekommen ist. Stattdessen wimmelt es jetzt von scheinbaren Fachbegriffen und Phrasen, die in ihrer Häufigkeit steril, penetrant und lächerlich wirken. Da präsentieren sich Abwehrfronten laufend in wechselnden Dreier- oder Vierer-Formationen, nach dem besten Sechser oder Achter wird panisch gesucht, gegen und mit dem Ball wird laufend „gearbeitet“, das „Umschaltspiel“ hängt durch, denn eine Mannschaft zeigt mal wieder zu wenig „Charakter“ und ist nicht „mit breiter Brust“ unterwegs, sondern auf hartnäckiger Suche „nach dem Momentum“.

Live mögen Reportern schon einmal solche Floskeln unterlaufen. Wenn dieser dürre Slang aber von sogenannten „Experten“ im Nachspann erneut durchgeknetet wird, ist es unerträglich. Da stehen sie zu dritt oder viert als leblose Truppe an der Seitenauslinie und reden, dass es einen erbarmt. Haben sie wirklich genau hingeschaut oder jeden Spielzug bereits als „Ausübung“ eines Angestelltendaseins verstanden, das jedem Spieler etwas „aufgibt“ oder „abnötigt“? In solchen Fällen muss eine Mannschaft anscheinend ein „großes Herz beweisen“ oder gar eine Halbzeit lang „leiden“, während die Fans „Qualen erdulden“ oder „die Treue aufkündigen“.

Kein Wunder, dass erschöpfte Trainer und Spieler solche Plattheiten nach dem Ende einer Partie fast regungslos wiederholen. Der Kopf ist leer, nix geht mehr, das ist gerade noch verständlich, nicht jeder ist schließlich ein Thomas Müller, der bekanntlich schon während des Spiels mit dem „Schalk im Nacken“ kommuniziert.

Schön wäre es, wenn wenigstens die Fans einmal von ihrer großen Leidenschaft erzählen würden, die viele von ihnen Woche für Woche weite Distanzen zurücklegen lässt. „Fußball ist unser Leben“ hieß einmal ein Lied, das die deutsche Nationalmannschaft in den siebziger Jahren unter Leitung von Startenor Franz Beckenbauer auswendig sang. Das war munter, aber auch ernst gedacht und gilt noch immer, trotz Klimawandel. Was es aber genau meint und Menschen abverlangt, die einen Verein ihres Umfelds als Inbegriff ihrer intimsten Identitätsbildung verstehen, das erfährt man nirgends.

Fußball kommt also nur noch als spracharme Liveübertragung oder im ödesten aller Formate, im Liveticker, vor. Als ein Sport, der wie kaum ein anderer viele Menschen verbinden und von Hamburg noch München und zurück locken kann, gibt es ihn nicht. Geschweige denn als ein Leben, das am Wochenende nach einem Spiel beginnt und eine harte, lange Woche dauert, bis die eigene Mannschaft wieder auf einem Platz erscheint.

Nur alle paar Jahre sträuben sich einige Trainer und Spieler gegen die landesübliche Belanglosigkeit des Redens. So etwa Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, der nach vielen Trainerjahren auf seiner Abschiedstournee durch die deutschen Stadien ist. In Köln sprach er am Ende der Pressekonferenz vor ein paar Tagen zu den Fans des FC und zur ganzen Stadt: „Es war jedes Mal ein besonderes Erlebnis in dem Stadion und in dieser Stadt, die ich sehr schätze aufgrund ihrer Vielfalt, aufgrund dessen, dass da einfach die Menschen gut leben können, egal, wie sie orientiert sind oder wie sie sich bewegen. Ich bin wahnsinnig gern hier. Und jetzt ist erstmal das letzte Mal. Es war schön. Ich bedanke mich beim 1. FC Köln…“

Das waren ganz wunderbare Sätze, die wohl nicht nur Einheimische sehr bewegen und zugleich auch anstiften, die ewigen Nörgeleien über Köln einmal für ein Atemholen zu vergessen. Aber auch dazu, sich bei Christian Streich zu bedanken, der das gute Reden über Fußball sein ganzes Trainerleben lang nie verlernt hat.

Aufbruch in den Mai 5

Richard Kämmerlings hat in der Welt von einem der schönsten Mai-Gedichte der deutschen Literatur berichtet und von seiner Entstehung erzählt!

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article251211124/Goethes-Verliebtsein-Fruehling-Gluecksgefuehle-was-der-Dichter-ueber-den-Mai-wusste.html

Mit diesen Lektüren verbunden, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein sonniges Wochenende!

Aufbruch in den Mai 4

 

Weiter geht es! Wir fotografieren auf unserer Reise die schönsten Mai-Blüten und haben dafür natürlich eine Kamera dabei.

In einem Gespräch mit der Berufsfotografin Elfie Semotan hat der Schriftsteller Ferdinand Schmatz die Techniken und Gebrauchsformen der verschiedenen Kameras untersucht, die sie benutzt: F.S.: Was bedeuten Kameras für dich? – E.S.: Ich kann ja nicht malen. Die Kameras sind für mich einfach die Möglichkeit, das zu tun, was ich gerne tun möchte, nämlich Bilder zu machen. (S. 5)

Es beginnt mit einer Nikon, dann kommt eine Polaroid, danach eine Canon usw. – und immer wieder wird genau nachgefragt: Wann werden sie eingesetzt, welche Bilder machen  sie? Fotografieren ist eine ideale sensorische Ergänzung zum Schreiben, indem es viele Einfälle für Texte liefert.

Christian Streich spricht über Köln

Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, ist momentan auf Abschiedstournee, denn er wird die Mannschaft, deren Trainer er viele Jahre lang war, nach dieser Saison nicht mehr weiter trainieren. So ist jedes Auswärtsspiel das letzte vor Ort.

Am vergangenen Samstag (4.5.) war er mit seiner Mannschaft noch einmal in Köln (Ergebnis: 0:0) und sprach darüber in der Pressekonferenz. Es entstand ein nachdenklich stimmender Text, der Köln so sieht, wie man es in diesen schwierigen Zeiten auch einmal sehen sollte. Als eine offene, liebenswerte Stadt, in der man sich gerne aufhält, bewegt und Freundschaften schließt.

Als Kölner haben mich Streichs gute Worte sehr bewegt, ich bedanke mich!