Ciao amore, ciao

In meinem Blogeintrag vom 5. Mai 2022 habe ich das Buch Azzurro von Eric Pfeil vorgestellt, in dem er über hundert seiner italienischen Lieblingssongs geschrieben und sie porträtiert hat.

Nun gibt es den zweiten Band: Ciao amore, ciao (KiWi), den ich ebenfalls sehr empfehle. Für den inneren oder äußeren Aufbruch in den Süden!

Leider taucht Pippo Pollina darin nicht auf, was ich dadurch ausgleiche, dass ich eines seiner schönsten Lieder hier im Blog präsentiere, verbunden mit guten Wünschen für ein hoffentlich südliches, erlebnisreiches Wochenende!

Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2024

Gestern hat in Klagenfurt der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2024 begonnen. Vierzehn Autorinnen und Autoren lesen eine halbe Stunde lang einen noch unveröffentlichten Text, der danach von sieben Jurorinnen und Juroren besprochen und bewertet wird.

Das alles wird in 3sat gezeigt und dokumentiert. Heute beginnen die Lesungen um 10 Uhr. Für alle, die schreiben, der Tipp: Mal reinschauen und tief durchatmen!

https://bachmannpreis.orf.at/

Das Phänomen Sokolov

Er betritt die Bühne des Konzertsaals mit kurzen Schritten, ohne nach rechts oder links zu schauen, er hat nur den offenen Flügel im Blick, vor dem er Positur bezieht und sich zweimal verbeugt. Er nimmt Platz und beginnt sofort mit dem Spiel, als wäre dem Flügel ein Warten oder eine erste vorsichtige Berührung nicht zuzumuten. Schlagartig tut sich der Klang auf, als entstehe die Komposition gerade in diesem Moment, im Kopf eines Menschen, der sie befragt und ihr zuhört.

Einmal in einem Konzertjahr schmiedet er ein Programm, mit dem er dann in der halben Welt auf Tournee geht. Alles ist genau überlegt, jede Komposition lässt die vorangegangene hinter sich und nimmt Anlauf von vorn. Meist beginnt er mit scheinbar einfachen Stücken aus dem Übungsrepertoire der Meister, die ihren Klavierschülern kleine technische Aufgaben stellten. Dann behandelt er den Flügel wie ein Klanginstrument und entlockt ihm winzige Koloraturen, Triller und Treppenläufe. Die Töne schwirren im Halbkreis und halten sich in einem intimen Studioraum auf, in dem Grigory Sokolov als Tonmeister die Regie übernimmt.

Ist das wirklich von Bach? Oder von Purcell? – fragen sich viele im Publikum und bemerken an sich selbst eine starke Irritation. Denn Ton für Ton wird die staubige Patina des Vertrauten abgetragen, und darunter erscheinen die verästelten Strukturen der Stücke, die nicht von Bach oder Purcell sind, sondern der Studierstube des in sie versunkenen Pianisten entstammen, dem das Publikum Schritt für Schritt folgt. Von den kurzen Klavierübungen geht es weiter zu Zyklen mit französischen, italienischen oder deutschen Tänzen, die Welt mischt sich ein, denn die Stücke erhalten nun die Farben einer Umgebung.

Große Pause. Was macht wohl der Meister, fragt sich das fassungslose Publikum, dem sein Sektgläschen aus den Händen gezaubert wurde. Darf man sich auf Chopin freuen oder auf Schumann? Der Meister hat längst die Linien gezogen, und als er mit den Mazurken Chopins weitermacht, ist Frédéric jung wie nie, der Salon wird geschlossen, und er komponiert, wie er zuvor noch nie komponierte. So wird Chopin zu seinem eigenen Schüler, und Sokolov dankt kurz und beobachtet, wie eine Mazurka entsteht und jede für sich bleibt, ohne dem Publikum den Gefallen zu tun, Chopin zu träumen.

Ein Zyklus Robert Schumanns bildet den Abschluss, und wenn man ihn hört, ist vollends klar, dass Sokolovs Spiel ein Schumann-Spiel ist. Es deckt die Purismen und Umbrüche in den Stücken auf, als kämen sie aus Robert Schumanns Moderne, der sie in seiner Zeitschrift für Neue Musik gerade in Worten umkreiste. Bach, Purcell, Chopin erhalten im Nachhinein eine neue Würde, es ist die unantastbare ihres Eigensinns, fern von Barock, Romantik oder sonstiger Klassik und sehr nahe den Kinderzimmern Schumanns, in denen die jungen Menschen zu Schülern werden und lauschen.

So sieht ein Sokolov-Programm aus, fürs Erste. Dann aber zieht der Meister den Vorhang zu und verschwindet für eine kleine Wanderung durch die weitere Welt. Sechs Zugaben folgen, und das Publikum gerät in Ekstase: Was spielt er da? Ist das Bach, Rachmaninow oder Skrjabin? Vergebens das Fragen, es wird nie erraten, was es zu hören bekam, es muss sich bescheiden. Sokolov hat es gehört, darauf einigt man sich, und als sich die große Gemeinde nach mehreren Stunden auf den Weg nach Hause macht, kommt ihr die Welt so vor, als habe sie allen Tand abgelegt und ihren schönsten Ernst wiedergefunden.

https://www.deutschegrammophon.com/de/kuenstler-innen/grigory-sokolov/live-termine

Literatur am Altenberger Dom

In dieser Woche freue ich mich besonders auf meine Teilnahme an dem von Karin Graf und Denis Scheck kuratierten Literaturfestival Literatur am Dom.

Gemeint ist der Dom im bergischen Altenberg, den ich schon während meiner Kinderjahre oft besucht habe.

Hier findet man das ganze Programm –

Willkommen

Ich selbst lese am Sonntag, 30.06.2024, 17 Uhr, moderiert von Denis Scheck, aus Von nahen Dingen und Menschen (Dumont Verlag)

Danach (18 Uhr), unterhalte ich mit Vincent Moissonnier, dem Besitzer des französischen Restaurants Le Moissonnier in Köln, über sein Buch Der Käse kommt vor dem Dessert (Dumont Verlag).

Später (21 Uhr) folgt eine Küchenparty mit Drei-Sterne-Koch Dieter Müller, Vincent Moissonnier und Denis Scheck!

Sommerferien 2024 – 3 – Botanical gastronomy

Eine Leserin aus München hat das Restaurant De Nieuwe Winkel in Nijmegen besucht und erforscht, was es mit der Furore machen Botanical gastronomy auf sich hat.

Die Fotos hat sie während eines festlichen Abendessens gemacht. Sie zeigen ein Risotto aus Sonnenblumenkernen mit Senfsamen und Bärlauch,  ein Brennnessel-Capriccio, „Wouters Garten“ sowie eine Rettich-Komposition.

Chefkoch Emile von der Staak verwendet kein Fleisch, sondern pflanzliche Vorgaben, die er vor allem aus einem nahen Waldgarten bezieht. Das geschlossene Gelände besteht aus vielen mehrjährigen Stauden und Bäumen, die Jahr für Jahr ein neues Angebot liefern.

In einem Video kommentieren Koch Emile van der Staak und Farmer Wouter von Eck das Konzept, das längst mehrfach ausgezeichnet worden ist und für die Zukunft vieler innovativer Küchen steht.

Damit verbunden, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein vegetarisches Wochenende mit frischen Zutaten!

Sommerferien 2024 – 2

Ein Leser aus Bremen schickte mir zwei arkadisch gestimmte Fotos aus dem italienischen Süden. Sie deuten an, so schreibt er, wie man dort Spiele der EM 2024 feiert und miterlebt.

Vorher wird ein Gartenraum gerichtet, und lange Tische mit den Sitzplätzen für die Gäste stehen bereit.

Gegen 19 Uhr treffen die Gäste ein, und Platten mit vielen unterschiedlichen Antipasti werden zur Einstimmung auf den Abend serviert.

Gegen 21 Uhr beginnt das Spiel, das man sich in einem Nebenraum zusammen anschaut. In der Pause feine, kühle Getränke.

Dann die zweite Halbzeit, wieder im Nebenraum. Und nach dem Spiel, gegen 23 Uhr, die Secondi – Fisch und Fleisch, Gemüse und Käse, danach das Dessert.

Gegen 2 Uhr ist ein EM-Spiel erlebt. 1:0 für Spanien im Spiel gegen Italien. Die trotz der Niederlage erstaunlich gefassten Italiener haben mit Freunden in Deutschland telefoniert, die Karten für das Spiel hatten. „Wo seid Ihr?“ – „In Gällsenkitchen“, ist die Antwort. Haha. War ein schöner Abend, das nächste Spiel wird wieder gewonnen. Gegen Kroatien, in Liebzisch.

Sommerferien 2024 – 1

 

Heute beginnen in einigen Bundesländern die Sommerferien! Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs eine gute und entspannte Zeit – wo auch immer, im Ausland oder in Deutschland! 

Wenn Sie Zeit und Lust haben, schicken Sie mir bitte ein Foto, verbunden mit einem kurzen, erläuternden Text. Beides könnte ich dann in den Blog stellen, so dass wir an einem Gemeinschaftswerk arbeiten. 

Die Übersichtskarte des Betroffenenbeirats

Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln hat vor wenigen Tagen eine Übersichtskarte veröffentlicht, in der alle Orte fixiert werden, in denen es Missbrauchsfälle gegeben hat:

https://katholisch.de/artikel/53928-uebersichtskarte-zeigt-alle-orte-des-missbrauchs-im-erzbistum-koeln

Die Karte macht mit der Fehlannahme, Missbrauch habe es nur in Einzelfällen gegeben, endgültig Schluss. Er fand vielmehr flächendeckend statt, in Köln ebenso wie in Bonn, in Siegburg ebenso wie in St. Augustin – und auch in Städten wie Waldbröl, Morsbach und Kirchen, die nahe meinem westerwäldischen Heimatort Wissen/Sieg liegen.

Auch in Wissen gab es Missbrauch, meldet die Karte, und ich muss sagen, dass ich seit langer Zeit nicht mehr so angewidert und schockiert war.

Ich erinnere mich gut an die lateinischen Texte, die der Priester in meinen Kinder- und Jugendjahren während der Messfeier sprach. Da hieß es: Lavabo inter innocentes manus meas et circumdabo altare tuum, Domine – In Unschuld will ich meine Hände waschen und den Altar umschreiten, Herr. 

Und, wenig später: Ego autem in innocentia mea ingressus sum: redimeme, et miserere mei. Pes meus stetit in directo: in ecclesiis benedicam te, Domine – In Unschuld komme ich zu Dir; erlöse mich und sei mir gnädig. Mein Fuß steht auf dem rechten Pfad; so darf ich mit dem ganzen Volk Dich preisen, Herr. 

Hunderte Male habe ich diese Gebete gehört, ohne auch nur zu ahnen, dass es in vielen Fällen Lügen waren. In den genannten Orten und Städten sind nach der Bekanntgabe der Übersichtskarte jetzt Gerüchteküchen entstanden. Wer waren die Täter?

Ist es im nächsten Schritt nicht notwendig, auch die Namen zu nennen, bevor Unschuldige in Verdacht geraten? Solche Fragen muss man dem Betroffenenbeirat nun stellen und mit ihm diskutieren.

Engel & Heilige

Eines Abends erstrahlte das New Yorker Studio von Eliot Weinberger in hellem Licht, und eine Stimme sprach: „Du weißt mehr über Engel & Heilige als die meisten, Du hast viel über sie gelesen und kennst ihre Beschaffenheit und ihre Geschichten. Schreib es auf und halte in einem Buch fest, was kaum jemand sonst weiß und worüber niemand lange nachdenkt.“

Und Eliot Weinberger machte sich an die Arbeit und vergaß die akademischen Zünfte und Regeln und schrieb so, als sprächen die Engel & Heiligen selbst und erzählten von ihrem sonderbaren Dasein.

Die Engel verständigten sich durch ihr „inneres Sprechen“, entfalteten ihre Flügel und machten die bekannte Engelsmusik. Und die Heiligen entwarfen einzigartige Viten, voller drastischer, unerwarteter Umbrüche: Hinein in die Wüste und heraus in die Stadt, zum Predigen und Bekehren, ohne jede Angst davor, enthauptet zu werden. Oder im Kampf mit Bienen, die scharenweise in den geöffneten Mund schwirrten, dort aber nichts anrichteten.

Eliot Weinberger schrieb alles mit und stellte das Wichtigste von dem zusammen, was er über die Engel erahnte, und dann machte er weiter mit Heiligengeschichten aus aller Welt, manche in Form einer Erzählung, aber auch nur in einem einzigen Satz. So über das Leben der Brigida von Kildare (Irland, gest. 523): „Sie pflegte ihren Umhang an einen Sonnenstrahl zu hängen.“ Womit in diesem wunderbaren Fall alles gesagt wäre!

5:1

Was für ein schöner Fußball-Abend war das gestern! Das Eröffnungsspiel der EM 2024 in München schaute sich so an, als hätten die Spieler meinen Blogeintrag „Tore, Tore, Tore!“ gelesen. Das hat Freude gemacht.

Heue Abend geht es weiter mit den Partien Ungarn:Schweiz (15 Uhr), Spanien:Kroatien (18 Uhr) und Italien:Albanien (21 Uhr)!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein sportliches Wochenende!